GEMEINSCHAFTLICHE BÄCKEREI

Aktualisiert: 14. März

SIND GEMEINSCHAFTLICHE GRÜNDUNGEN/ UNTERNEHMEN DIE WIRTSCHAFTSFORM DER ZUKUNFT?

Ein Praxisbeispiel der gemeinschaftlich getragenen Bäckerei VESPER STÜBLE in Hannover!


Seit meiner eigenen Gründung von SMEDE sind einige Monate vergangen. Seitdem gab es viele Auf und Abs, aber das was mich immer gestützt hat, waren all die lieben Menschen um mich herum, die mich zu jeder Zeit aufgebaut und bestärkt haben und mich vor allem da abgeholt haben wo ich gerade stand! Der Weg ist bisher echt aufregend gewesen und war auch manchmal nicht einfach, aber in meinen Augen lohnt sich der Weg definitiv.

Bei den ganzen Entwicklungen der letzten Monate ist mir wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass wir nicht einfach nur etwas in die Welt setzen, ein Angebot kreieren und dann loslegen, sondern dass wir immer eine Gemeinschaft aufbauen und dort einen Halt finden können.

Deswegen möchte ich euch heute das Gemeinschaft getragene Wirtschaften am Beispiel VESPER Stüble von Kathrin aus Hannover vorstellen.


Vorab erstmal: Was genau ist gemeinschaftliches Wirtschaften?

Kurz gesagt nehmen Konsumentinnen und Produzentinnen die Versorgung gemeinschaftlich in die Hand. Die Idee ist abgeleitet aus dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft bei dem es darum geht, dass Kosten und Ernte geteilt werden. Dabei bildet eine Gruppe aus Menschen eine Gemeinschaft und die Kosten & Verantwortung wird auf diese gesamte Gemeinschaft umgelagert. Das heißt, es gibt z.B. keine klassischen Preise, sondern Mitgliedsbeitrage, welche die laufenden Kosten tragen und aus dessen Produktion das Mitglied Waren erhält.

Dementsprechend werden aus Konsumenten, Mitglieder, die dann zu Prosumenten werden und in einer Gemeinschaft ein Teil der Produktion, der Kosten und der Entscheidungen werden.

Generelle Vorteile des Gemeinschaftlichen Wirtschaftens sind:

  • direkte Beziehungen untereinander und in der Gruppe

  • eine Transparenz über die Vorgänge in der Produktion, über Kosten & Entscheidungen

  • Als Mitglied zahlt man Beiträge statt Preise und der Produzent erreicht somit eine Kostendeckung für einen bestimmten Zeitraum

  • Meistens werden die benannten Zeiträume vorfinanziert (z.B. 1 Monat, Quartal, halbes Jahr oder sogar ein ganzes Jahr)

  • Verantwortung & Risiko werden geteilt – alle Vorkommnisse werden innerhalb der Mitgliedschaften gemeinschaftlich getragen

Dieses Prinzip des gemeinschaftlichen Wirtschaftens lässt sich auf die verschiedensten Wirtschaftszweige anwenden und ist damit sehr spannend für eigene Gründungen.

(Quelle: CSX Netzwerk, www.gemeinschaftgetragen.de )

Beispiel der gemeinschaftlichen Bäckerei VESPER Stüble – Hannover (gegründet von Kathrin)

Kathrin hat in Hannover eine gemeinschaftlich getragene Bäckerei gegründet. Sie backt mit einem fahrbaren Ofen für aktuell rund 60 Parteien jede Woche verschiedene Brote auf ökologischer Basis. Ursprünglich kommt Kathrin aus einem komplett anderen beruflichen Umfeld und ist eines Tages dem Gefühl nachgegangen, dass sie gerne mehr im handwerklichen Bereich arbeiten möchte. Bei der Suche hat sie sich in das Thema ökologisch und nachhaltig Backen verliebt. Faktoren wie das Thema Ökologie, faire Produktion der Lebensmittel und eine ökologische Landwirtschaft haben bei ihrer Entwicklung eine große Rolle gespielt. Das Gefühl einer ersten Gemeinschaft durfte sie durch das CSX Netzwerk kennenlernen, in dem es viele unterschiedliche Ideen, Ansätze & schon einige umgesetzte Projekte gibt, die sie in den Bann gezogen haben. Bei einem ersten Treffen ist ihr klar geworden, dass der Traum in ihrem Kopf, mit dem Konzept des gemeinschaftlichen Wirtschaftens, Wirklichkeit werden kann und dass es schon andere gibt, die sie unterstützen werden und erste Erfahrungen gemacht haben. Ein tolles Gefühl der Gemeinschaft hat sich bei ihr eingestellt, welches das Gefühl des „Ich-stehe-alleine-da“ verdrängt hat.

Nach einer Suche hat Kathrin einen Ofen auf Rädern gefunden, der perfekt zum Start ihres eigenen Traumes passte – dieser wurde durch Crowdfunding finanziert.

Übrigens eine super Möglichkeit um die eigenen Gründung oder ein noch offenes Vorhaben in die Tat umzusetzen!

Jetzt ging es an die Suche der Gemeinschaft – doch wie macht man das am besten?

Ganz klar: darüber reden! Wie oft kommt eine Idee erst richtig ins Rollen, wenn wir uns trauen drüber zu reden.

So hat auch Kathrin mit Bekannten und Freunden geredet, die diese Idee mit unterstützten.

Diese haben es wiederum ebenfalls als Multiplikatoren weiter in die Welt getragen und schon waren die ersten Mitglieder einer Gemeinschaft vorhanden.

Weitere Mitglieder konnte Kathrin über Instagram erreichen. Auch hier zahlt sich oft eine offene und ehrliche Ansprache der eigenen Ideen aus!

Wie baue ich nun die Gemeinschaft auf?

Natürlich gibt es dafür verschiedene Modelle. Eine Gemeinschaft kann z.B. anhand von solidarischen Anteilen oder durch entsprechende Bieterrunden innerhalb der Gemeinschaft gebildet werden – oder eben auch durch eine aktive Mitgestaltung wie z.B. eine Gemeinschaft, die gemeinsam das Brot backt.

Kathrin hat sich anfangs für ein Abo Modell entschieden. Die Mitglieder ihrer Brotgemeinschaft zahlen zu Beginn des Monats einen Mitgliederbeitrag für die gewünschte Anzahl der Brote. Dadurch hat sie die Sicherheit, dass sie ihre Ware anhand der bestellten Brote der Mitglieder einkaufen kann. Dadurch entstehen z.B. auch keine Überproduktionen. Ein riesen Vorteil!

Für die verschiedenen Herangehensweisen findet man z.B. im Netzwerk der Community Supported Bakery Impulse. Schaut doch gerne mal vorbei im CSX Netzwerk, es wird sich über jeden Interessierten gefreut! Das durfte ich selber bei meinen ersten Kontakten mit dem Netzwerk erfahren!

Tipps von Kathrin zur eigenen Umsetzung einer gemeinschaftlichen Gründung:

  • Kommunizieren! Es ist wichtig über seine Idee & sein Vorhaben zu sprechen. Durch die Kommunikation können neue Herangehensweisen & Vorschläge entstehen. Jeder der einen weiteren Gedanken mit einbringt, bringt auch deine ursprüngliche Idee weiter vor ran. Wir müssen nicht immer alles alleine gestalten – durch Kommunikation mit anderen entsteht eine Idee, die alleine durch die verschiedenen gemeinschaftlichen Gedanken nachhaltig ist!

  • Ein Netzwerk suchen, welches die gleichen Interessen vertritt.

  • Mutig dem inneren Gefühl nachzugehen, eine Idee oder einen Traum umzusetzen.

  • Trotz der Angst vor allen finanziellen Schwierigkeiten weiter dran zu bleiben – meistens gibt es eine Möglichkeit die Gründung auch finanziell zu stemmen! z.B. Crowdfunding oder im eigenen Umfeld die Idee erzählen und nach Geldern fragen


Die 3 Vorteile einer gemeinschaftlichen Gründung/eines gemeinschaftlichen Unternehmens, die Kathrin am meisten wertschätzt:

  1. Sicherheit! Für die fixen Kosten ist sie zu Beginn abgesichert, da sie die Anzahl der Kunden und somit der Brote weiß, die sie backen muss.

  2. Eine Wertschätzung in der Gemeinschaft, da die Werte & Interessen ähnlich sind und die Arbeit fair anerkannt wird.

  3. Durch eine Gemeinschaft entstehen viele unverhoffte & wertvolle Begegnungen, die einen jedes Mal bereichern. Es gibt einen festen Termin an dem die Gemeinschaft sich begegnet und daraus können sich z.B. neue Interessensgemeinschaften bilden, die sich gegenseitig stützen, Tipps geben und neue Netzwerke entstehen.

Bist du jetzt genauso neugierig geworden wie ich nach meinem ersten Kontakt mit dem Ansatz des gemeinschaftlichen Wirtschaftens?

Schau dich gerne beim CSX Netzwerk um oder kontaktiere mich für mehr Infos! Kathrins VESPER Stüble findest du unter @vesper_stueble oder unter www.vesperstueble.wordpress.com

Ich freue mich auf einen regen Austausch!

Fotos: © Vesper Stüble

67 Ansichten0 Kommentare